andreas boine fachanwalt für strafrecht

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Unfallflucht Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Definitiv das Delikt des Strafgesetzbuches, wegen dessen auch Leute verurteilt werden, die eigentlich nicht bei Rot über die Ampel gehen würden. Das hat nach meiner Einschätzung zwei Gründe:

1. Es hat wohl einen ganz eigenen, starken Reiz, den Ort eigenen Fehlverhaltens schnell hinter sich zu lassen.

2. Dass man einen Unfall nicht bemerkt, bedeutet noch lange nicht, dass später vor Gericht nicht ein Gutachter doch feststellt, dass man den Unfall hätte bemerken müssen - und das Gericht dem folgt.

Das sind die aus §142 StGB resultierenden Pflichten für einen Unfallbeteiligten:

Wer an einem Unfall beteiligt ist, hat die Pflicht, zu Gunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass er am Unfall beteiligt ist zu ermöglichen.kursiv

Sofern niemand anwesend ist, der die Feststellungen treffen kann, hat man eine angemessene Zeit (je nach Schadenshöhe geht die Rechtsprechung von mindestens 30 Minuten aus) zu warten und die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen (indem man den anderen Unfallbeteiligten oder die Polizei informiert).

Ein Strafverfahren bzw. die Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort kann sehr unangenehme Folgen haben. Sofern bei dem Unfall andere Personen erheblich verletzt wurden oder ein Sachschaden von mehr als 1500 € eintritt, erfolgt in der Regel - neben einer Geldstrafe- eine Entziehung der Fahrerlaubnis gemäß Paragraph 69 StGB bzw. die Anordnung einer Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gemäß Paragraph 69a StGB. Nicht selten erfolgt bereits im Ermittlungsverfahren eine Beschlagnahme des Führerscheins gemäß § 111a StGB.

Zivilrechtlich droht als Nebenfolge, dass die eigene Haftpflichtversicherung wegen einer so genannten Obliegenheitsverpflichtung für an den Unfallgegner gezahlte Leistungen einen Regress geltend macht. Der Regress kann im Regelfall bis 2500 €aber in gravierenden Fällen auch 5000 € betragen.

Sofern es zu einer Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort kommt, kann auch die Rechtsschutzversicherung als Vorschuss gewährte Leistungen an den Rechtsanwalt vom Versicherungsnehmer zurückfordern.

Eine Fahrerflucht/Unfallflucht kann also sehr unangenehme Folgen haben. Im Fall der Fälle ist sofortiger anwaltlicher Rat unbedingt zu empfehlen.

Andreas Boine

Rechtsanwalt/Fachanwalt für Strafrecht